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Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Das Schauspielhaus ist die Hauptspielstätte. Der Zuschauerraum des von dem berühmten Architektenpaar Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J. 1899/1900 erbauten Theaters ist in Rot und Gold gehalten und gilt mit seinen neobarocken Elementen, dem Figurenschmuck und dem roten Gestühl als einer der schönsten Theaterräume Deutschlands.
Neben der großen Bühne finden auch Veranstaltungen im MarmorSaal (1. Rang) und im RangFoyer (2. Rang) sowie im Restaurant Theaterkeller statt.

Kontakt

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Neue SchauSpielHaus GmbH
Kirchenallee 39
D-20099 Hamburg

Telefon: +49 (0)40.2 48 71-3
E-Mail: kartenservice@schauspielhaus.de

Bewertungschronik

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Bewertungen & Berichte Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

1 Stream

Ab jetzt

Komödie von Alan Ayckbourn

Am 25.4. und 1.5. ab 18 Uhr als Stream für 24 Stunden online

Der Komponist Jerome arbeitet besessen an einem großen zeitgenössischen Werk zum Thema „Liebe“. Sein Arbeitsprinzip ist das Sampeln und Modulieren von Alltagsgeräuschen und Sprachfetzen. Alle Räume seiner Wohnung sind mit Mikrofonen bestückt, um ununterbrochen alle Geräusche aufzeichnen zu können. Doch Jerome hat ein Problem: Seit seine Frau und Tochter ihn – nicht zuletzt wegen seines künstlerischen Abhörwahns – verlassen haben, ist sein Schaffen in eine ernste Krise geraten. Ihm fehlt jede Inspiration. Zumindest die geliebte Tochter, so Jerome, müsse er ab und an sehen, um wieder kreativ arbeiten zu können. Bisher allerdings hegen sowohl das Jugendamt als auch seine Ex berechtigte Zweifel an der sozialen Kompetenz des Künstlers. Sie weigern sich, Besuche seiner Tochter zu bewilligen. Also mietet Jerome eine Schauspielerin, die seine neue Verlobte und eine perfekte Hausfrau spielen soll…

Zurück in die Zukunft. Alan Ayckbourns 1988, vor der digitalen Revolution, geschriebene Komödie ist Science Fiction von gestern. Gemessen an dem, was uns seither an häuslicher Technik umgibt, ist es teilweise anrührend naiv. Als theatrale Versuchsanordnung zum Thema Mensch und Maschine, erlebtem Gefühl und reproduzierbarer Geste, entfaltet sie allerdings immer noch eine kaum überbietbare Situationskomik. Höhepunkt dabei ist der immer wieder um- und fehlprogrammierte Roboter GOU 300 F. Ursprünglich zum Babysitten gedacht, später aus Sicherheitsgründen aus dem Verkehr gezogen, leidet der hochkomplexe Androide an chronischer Unterbeschäftigung, da es eben kein Kind mehr zu betreuen gibt. Die mütterliche Maschine füllt diesen Leerlauf im Beschäftigungsprogramm selbständig und irrwitzig auf, indem er/sie/es in ihren/seinen mechanisierten Sprach- und Handlungsformeln Verhaltensmuster der menschlichen Umgebung kopiert. Während Jerome also all seine Lebens-und Liebesgeräusche aufzeichnet, um daraus das perfekte Kunstwerk zu komponieren, eine Schauspielerin sich bei dem Versuch, seine perfekte Geliebte zu spielen, in ihn verliebt, wird all dies wiederum von einem dysfunktionalen Roboter kopiert und karikiert…

Regie: Karin Beier
Bühne: Thomas Dreißigacker
Kostüme: Hannah Petersen
Musik: Jörg Gollasch
Licht: Holger Stellwag
Dramaturgie: Christian Tschirner

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30.04.20, 08:41, jen Toller Online-Spielplan mit technisch aufwendigen Produktionen und Mitschnitten.

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Musik

NEW HAMBURG: Songs For Joy - Die Gala

Jacques Palminger und Carsten »Erobique« Meyer

Premiere: 29.5.2024

Im Herbst 2006 stand eine Anzeige in allen Berliner Zeitungen: „Lieben Sie Musik? Schreiben Sie gerne? Schicken Sie uns Ihre Texte!“. Im Gorki Theater freuten sich Carsten »Erobique« Meyer und Jacques Palminger über die eingesandten Gedichte, die sie in ihrem mobilen Musikstudio in nur zwei Wochen vertonten. Dabei entstanden so schöne Songs wie »Wann strahlst du?«.

Die gute Nachricht: im Mai 2024 gibt es »Songs For Joy« in Hamburg!

»Songs For Joy« könnte auch »Ihr Song« heißen, sogar werden: Sie bringen den Text zu Papier, der schon immer zum Soundtrack Ihres Lebens passt, auch wenn die Tonspur noch fehlt, und schicken ihn an unser Team. Und es passiert, was im Leben selten vorkommt, sofortige Wunscherfüllung: Der Text wird umgehend vertont und eingespielt von zwei der größten Spezialisten für musikalische Rohdiamanten – mit Unterstützung von Musiker*innen der Veddel und aufgenommen in der zu einem offenen Tonstudio ausgebauten Immanuelkirche. Man kann vorbeikommen, dabei sein und mitsingen etc. Am Ende des Projekts stehen eine große Show und die Produktion einer Platte.

Präsentiert werden die neuen Lieder auf der »Songs For Joy«-Gala am 29/5 & 30/5 auf der Großen Bühne des SchauSpielHauses. Hier werden die neuen Songs das erste Mal zu hören sein, aber auch Top-Hits der »Songs-For-Joy«-Geschichte.

Machen Sie mit! Schicken Sie uns Ihre Songs, Gedichte und Texte!

Texte an: songsforjoy@schauspielhaus.de.

Wichtig: Schreiben Sie Ihren vollständigen Namen dazu und wie wir Sie erreichen können. Wir können nur Texte von Menschen verwenden, zu denen wir Kontakt haben. Alle Texte werden gelesen! Aber natürlich können wir nicht alle Texte vertonen. Aus einer Einsendung erwächst also kein Anspruch darauf, dass die Texte verwendet werden.

Konzept, Musik und Inszenierung: Carsten »Erobique« Meyer , Jacques Palminger

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Schauspiel

Antiope

von Anne Jelena Schulte

In Theben herrscht die Reinheit. Antiopes Vater, König Nykteus, erlaubt nur das Schöne, selbst schwitzen wird bestraft, alle Widersprüche sind verbannt. Antiope muss fort, sie sucht die Freiheit. Im Wald, im Wilden, Ungeordneten, im Unbeherrschten findet sie sie und wird gefunden: von einem Satyr, Wesen zwischen Mensch und Tier. Oder ist der Satyr vielleicht ein Gott, Zeus? Oder ist Zeus vielleicht Epopeus, König von Sykion? Oder ist Epopeus vielleicht ein ganz anderer? So oder so: Antiope wagt es, sich vom totalitären System ihres Vaters zu lösen, was brutale Rache gegen Mensch und Natur auslöst. Blind vor Hass lässt Nykteus den Wald roden, Antiope, inzwischen schwanger, muss bestraft werden. Nach Nykteus plötzlichem Tod übernimmt sein Bruder Lykos den Thron und potenziert die Totalität des Reinen zur Blutherrschaft. Antiopes Tante Dirke wird zu ihrer Peinigerin, fängt sie, sperrt sie weg, foltert sie. Erst als Antiopes Söhne, die Zwillinge Amphion und Zethos, erwachsen sind, gelingt ihr die Flucht aus der Folterkammer der Tante.

Die Autorin Anne Jelena Schulte hat für das SchauSpielHaus Hamburg einen Text geschrieben, der sich auf die Suche macht nach der verlorenen Geschichte Antiopes, dieser Frau, die immer schon da war, aber nie eine Stimme hatte. Denn mit Euripides‘ verlorenem Drama »Antiope« ging nicht nur ein Stück Literatur verloren, sondern auch ein wichtiges Puzzlestück in der großen antiken Geschichte um die Stadt Theben. Anne Jelena Schulte schließt diese Lücke und fragt in ihrem vielstimmigen, hoch-musikalischen Text, welche Gefahr von einer Frau ausgeht, die ihrem Willen zur Freiheit, zur Selbstbestimmung, zur Eigenheit folgt und wie Emanzipation möglich werden kann, allen Widerständen zum Trotz. Henry Morten Oehlert wird mit seiner Inszenierung von »Antiope« erstmalig im RangFoyer des SchauSpielHaus Hamburg inszenieren.

Regie: Henry Morten Oehlert
Kostüme: Maja Beyer
Musik und Komposition: Merlin Gebhard

Dauer: 1 Stunde 30 Minuten

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Schauspiel

Die Räuber der Herzen

von Bonn Park / nach Friedrich Schiller

Die Räuber sind Ganoven. Ihr Ideal verratend, sich für die Armen und Unterdrückten einzusetzen, stehlen sie Gold und Pferde, bedienen sich frei an Zivilisation und Natur. In einem außer Kontrolle geratenen sozialen Gefüge rechnet Friedrich Schiller in seinem ersten Stück mit Staatswillkür ab und setzt sich mit dem Bösen auseinander, sucht nach Kippmomenten, in denen grundsätzliche Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Respekt verraten werden.
Bonn Park geht es in seiner Bearbeitung des Stoffes um eine Utopie, ein Gefühl, nach dem wir uns sehnen, einen Cut in der Geschichte, der Schönheit und neue Ideen an die Stelle von Griesgrämigkeit setzt.
Schillers Figuren eint das Begehren zu wissen, wer sie sind und, in der Happy End-Version, wer sie sein könnten: Die besseren Räuber. Diese Räuber glänzen, sie sind freundlicher denn je und begehen nur noch die richtigen Verbrechen. Sie lassen andere ausreden, respektieren jene, die nie respektiert werden – und bringen die zur Strecke, die sich weigern, in makellosem Zauber zu leben.
Der 1987 geborene Regisseur und Dramatiker Bonn Park studiert ab 2010 Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin, gleichzeitig zeigt er erste Arbeiten an der Volksbühne Berlin. Seine Stücke werden oft prämiert, so zuletzt seine Uraufführung »Drei Milliarden Schwestern« 2018 an der Volksbühne Berlin. Für diese Arbeit bekommt er den Friedrich-Luft-Preis und wird in der Kritiker*innen Umfrage von Theater Heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres 2019 gewählt.

REGIE: Bonn Park
BÜHNE UND KOSTÜME: Laura Kirst
LICHT: Andreas Juchheim
DRAMATURGIE: Anika Steinhoff
KOMPOSITION: Ben Rössler
MUSIKERIN: Fee Aviv Marschall
ZAUBERER: Jan Logemann

1 Stunde 40 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

Was Nina wusste

von David Grossman
Deutsch von Anna Birkenhauer

In seinem neuen Roman erzählt David Grossman eine israelisch- jugoslawische Familiengeschichte, eng verzahnt mit der dunklen Seite der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Schauplatz sind zwei Territorien, auf denen stellvertretend Konflikte der Weltpolitik ausgekämpft wurden. Persönliche Verletzungen, die über drei Generationen hinweg die Mutter-Tochter-Verhältnisse zerrüttet haben, kommen jetzt 60 Jahre später in der emotionalen Rekonstruktion einer Enkelin zur Sprache. Zur Feier des 90. Geburtstags ihrer Großmutter, Vera, kehrt auch Nina, Veras Tochter, nach Israel zurück. Sie war aus ihrer Familiengeschichte in die Arktis geflohen, hatte Mann und Kind verlassen. Die Kälte gegenüber ihrer Tochter Gili, die alles in einem Filmprojekt dokumentiert, wirft Fragen auf. Vera wurde im damaligen Jugoslawien auf die Straflager- Insel Goli Otok deportiert, genannt auch „Titos Hawaii“ oder „Titos KZ“, die kleine Nina angeblich auf der Straße ausgesetzt. Was aber ging dem voran? Vera weigerte sich, ihren Geliebten Miloš als stalinistischen Spion zu denunzieren. Hatte sie sich damals gegen ihre Tochter entschieden? – Die Erinnerung an eine Welt, deren Koordinaten den Nachkommen bereits unbekannt sind, öffnet sich noch einmal. Nach lebenslanger Flucht scheint auch die an Alzheimer erkrankte Nina dazu bereit, eine gemeinsame Reise auf die Insel Goli Otok kann beginnen.

Historisches Vorbild der Großmutter ist Eva Panić-Nahir, durch deren Biographie die Öffentlichkeit erstmals von Titos Lager erfuhr. Inszeniert und adaptiert wird der Roman von Dušan David Pařízek, der schon David Grossmans »Eine Frau flieht vor einer Nachricht« und »Kommt ein Pferd in die Bar« zur Uraufführung gebracht hat.

Regie und Bühne: Dušan David Parízek
Kostüme: Kamila Polívková
Komposition: Peter Fasching
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Ralf Fiedler

2 Stunden

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Schauspiel

Die Schattenpräsidentinnen Oder: Hinter jedem großen Idioten gibt es sieben Frauen, die versuchen, ihn am Leben zu halten.

von Selina Fillinger / Deutsch von Nico Rabenald

Ein Tag extremer Herausforderungen in der Stabsstelle des Präsidenten: internationale Krisensitzungen, ein handfester Presseskandal, der eingedämmt werden muss, einander überlagernde Termine, die unverschiebbar sind und ein anstehender Wahlkampf. Alle Hände voll zu tun also für die Büroleiterin, die Pressechefin, die Sekretärin und die First Lady, zumal der Präsident selbst ausfällt. Zu allem Überfluss schlagen im Büro noch auf: die schwangere Geliebte des Chefs aus der Provinz und seine aus der Haft entlassene Schwester mit Drogenproblemen und eine investigative Journalistin mit Heißhunger auf brisante Details.

Wenn es stimmt, dass Komödien dazu da sind, die Fehler im System zuzuspitzen, um die Wirklichkeit zu erhellen, dann ist die Farce der US-amerikanischen Autorin Selina Fillinger ein Paradebeispiel für dieses Genre. Aber ihr Broadway-Debüt treibt nicht nur die groteske Überforderung des Politikbetriebs auf die Spitze, sondern ist zugleich ein Angriff auf das Patriarchat mit den Mitteln der Farce.

Die Komödie für sieben Frauen bringt Claudia Bauer zur deutschsprachigen Erstaufführung. Sie inszeniert regelmäßig am Münchner Residenztheater, am Schauspiel Leipzig, am Volkstheater Wien. Ihre Arbeiten wurden mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Für ihren gefeierten Jandl-Abend »humanistäää« erhielt sie 2022 den NESTROY-Preis.

Regie: Claudia Bauer
Bühne: Andreas Auerbach
Kostüme: Vanessa Rust
Musik: Peer Baierlein
Licht: Susanne Ressin
Video: Riccarda Russo
Dramaturgie: Christian Tschirner, Ludwig Haugk

Dasuer: 1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

Die gläserne Stadt

von Felicia Zeller / nach »Der Revisor« von Nikolai Wassiljewitsch Gogol

Russland 1835, in einer Stadt, in der es gut läuft: Wirtschaft und Politik sind produktiv durch Korruption miteinander verflochten, eine Hand wäscht die andere und so kommen die kommunalen Würdenträger*innen in Gogols Komödie glänzend zurecht. Doch plötzlich kündigt sich der unbestechliche staatliche Revisor zur Buchprüfung an und im Eldorado der dubiosen Übereinkünfte bricht blanke Panik aus. Als ein Unbekannter im Hotel absteigt, beginnt ein grotesker Wettbewerb in Bestechung …

Deutschland heute, in einer Stadt, in der es gut läuft: Trotz milliardenschwerer Skandale gelingt es nachhaltig, das Bild einer seriösen Verwaltung aufrechtzuerhalten, man belehrt gern andere über „Good Governance“ und lässt selbst Milliarden im Nebel verschwinden. Was wäre, wenn das Verborgene offengelegt würde?

Der ukrainische Dichter Nikolai Wassiljewitsch Gogol (1809-1852) wurde durch seine Stücke und Novellen mindestens genauso berühmt wie durch seinen Humor, der für Generationen von Autor*innen ein unerreichtes Vorbild blieb. Mit ihrem Erfolgsstück »Der Fiskus« konnte die Theaterautorin Felicia Zeller bereits Erfahrungen darin sammeln, die absurde Welt der Wirtschaftskriminalität zur politischen Komödie zu verarbeiten. Für das Deutsche SchauSpielHaus schreibt sie auf der Grundlage von Gogols »Revisor« ein neues Stück. Auch wenn sich die Parameter, Mentalitäten und Tricks geändert haben, bleibt Gogols absurde Systemanalyse ein explosiver Ausgangspunkt für den Regisseur und bekennenden Gogol-Verehrer Viktor Bodo, der aus dramatischen Situationen emotionale und fantasievolle Funken zu schlagen vermag wie kaum ein anderer.

Regie: Viktor Bodo
Bühne: Zita Schnabel
Kostüme: Ilka Giliga
Musik: Klaus von Heydenaber
Sounddesign: Gábor Keresztes
Video und Spezialeffekte: Bors Ujvári
Licht: Rebekka Dahnke
Dramaturgie: Anna Veress, Ludwig Haugk

Dauer: 2 Stunden 40 Minuten, inkl. einer Pause

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1 Schauspiel

Die acht Oktavhefte

von Franz Kafka / in einer Fassung von Thom Luz

„Jeder Mensch trägt ein Zimmer in sich. Diese Tatsache kann man sogar durch das Gehör nachprüfen“, notiert Franz Kafka 1916 „nach zweijährigem Nichtschreiben“ in ein kleines Schulheft im Oktavformat. Zwei Sätze wie gemacht für den Schweizer Theaterregisseur Thom Luz, um daraus eines seiner musikalischen Bühnenkunstwerke entstehen zu lassen. Kafkas »Die acht Oktavhefte« versammeln Tagebucheinträge, Gedankenfetzen, Briefentwürfe und Prosaskizzen, in denen schon viele Spuren seiner berühmten Erzählungen zu finden sind. Dieses Material bildet den Erzählraum eines Theaterabends, der Kafkas Werkmassiv zwischen Verfolgung und Stillstand, ständiger existentieller Bedrohung und hellem Witz der Verzweiflung überraschend neu zusammensetzt.

Thom Luz, der in dieser Spielzeit erstmals am SchauSpielHaus Hamburg inszenieren wird, „bringt sein Publikum immer wieder zum Staunen. Sein Theater ist eines der flüchtigen Phänomene, und somit eines, das die Zeit selbst erlebbar macht. Es ist von Geistern, Nebeln, Kerzenflackern und immer wieder von betörender Musik bewohnt. Ein Theater, das der schwerfälligen Bühnenmaschinerie und dem altmodischen Klavier leichtfüßigen Zauber abringt“, so die Jurybegründung des Schweizer Theaterpreises, mit dem Thom Luz 2019 geehrt wurde. Mit seinen Arbeiten war er bereits mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Regie: Thom Luz
Konzeptionelle Mitarbeit: Stephan Müller
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme und Licht: Tina Bleuler
Musikalische Leitung: Mathias Weibel
Dramaturgie: Ludwig Haugk

Dauer: 2 Stunden, Keine Pause

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2 Schauspiel

Coolhaze

von Studio Braun

„Du kannst heute nichts mehr erfinden. Du kannst nur weiter entwickeln und neu kombinieren. Deshalb ist Coolhaze das größte Experiment aller Zeiten!“

Heinrich von Kleists Geschichte des Michael Kohlhaas, dem Rosshändler aus Brandenburg, dem widerrechtlich zwei Pferde erst gepfändet und dann zerschunden, dem der Knecht halb und die Frau ganz totgeschlagen werden und der vom ehrbaren Kaufmann zum rachsüchtigen Wutbürger mutiert, ist die perfekte Grundlage für ein größenwahnsinniges Filmprojekt. Dem selbsternannten Regie-Genie Florian von Richthofen schwebt dabei ein Action-Musical mit erotischen Horrorszenen vor, ein politisch brisantes Fantasy-Abenteuer, Blockbuster und Avantgardefilm zugleich – nicht weniger als der ultimative Genre-Mix 2020. Aus Brandenburg wird New York City, aus Pferden Motorräder, aus Kohlhaas: Coolhaze. Als dieser zwei Bikes nach New Jersey überführen will, werden sie vom korrupten Cop Coby Burner konfisziert. Binnen kürzester Zeit führt der Rechtsstreit zu einem gnadenlosen Feldzug auf den Straßen New Yorks.
Am Filmset werden keine Kosten und Mühen gescheut. Eine Jazz-Bigband peitscht im Stil der großen Actionfilm-Soundtracks die Handlung voran. Für die Hauptrolle konnte von Richthofen den beliebten Kinostar Charly Hübner gewinnen. Gedreht wird mit aufwendigster Technik und von Richthofen versucht die Beteiligten zu Höchstleistungen zu treiben. Doch die Atmosphäre am Set ist vergiftet. Die Frage ist nicht, ob es zum Showdown kommt, sondern wann. Und wo. Und zwischen wem. Und wem noch. Und wie oft.

Regie: Studio Braun
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Dorle Bahlburg
Licht: Rebekka Dahnke
Musik: Sebastian Hoffmann, Studio Braun
Musikalische Leitung: Sebastian Hoffmann
Video: Jan Speckenbach
Animation: Luis August Krawen
Dramaturgie: Bastian Lomsché

Dauer: 2 Stunden, Keine Pause

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Schauspiel

Im Namen der Brise

von Christoph Marthaler mit Texten von Emily Dickinson

Gerade einmal sieben von Emily Dickinsons mehr als 1700 Gedichten wurden zu ihren Lebzeiten veröffentlicht. Und auch nach dem Tod der amerikanischen Dichterin 1886 konnte nur durch eine Mischung aus Zufall und Glück verhindert werden, dass ihr Nachlass verbrannt und der Menschheit damit eine Welt vorenthalten worden wäre. Denn Gedichte von Emily Dickinson sind mehr als Beschreibungen, dessen was ist, sie bauen mit einfachen, kleinen Bewegungen etwas Neues. Die winzigen Ausschnitte der sichtbaren Welt, die sie aus den Fenstern ihres Hauses in Amherst/Massachusetts beobachtete, verwandelte Dickinson in einzigartige Weltliteratur. In seiner neuen Arbeit begegnet Christoph Marthaler Emily Dickinson und knüpft damit an den Hölderlin-Abend »Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten« an. »Im Namen der Brise« ist der zweite Teil einer kleinen kammermusikalischen Trilogie im MalerSaal über drei Autor*innen aus verschiedenen Jahrhunderten und entgegengesetzten Himmelsrichtungen, mit denen Christoph Marthaler sich auf seine ganz eigene Weise verbunden fühlt.

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme: Sara Kittelmann
Musik: Fee Aviv Dubois
Klavier: Bendix Dethleffsen
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Malte Ubenauf

Dauer: 1 Stunde, 55 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

Orlando

von Virginia Woolf / in der Übersetzung von Melanie Walz

»Orlando» wird in einem Gedankenblitz geboren. Sich befreit fühlend nach mühsamer Arbeit für eine Zeitung, schreibt Virginia Woolf, sei ihr sofort diese aufregende Idee in den Kopf gekommen: Eine Biografie, die um 1500 beginnt und sich bis zum gegenwärtigen Tag fortsetzt, genannt »Orlando«. Das Modell ist Woolfs Geliebte Vita Sackville-West, nur mit einem Wechsel (change) von einem Geschlecht zum anderen.

In kurzer Zeit entsteht ein Jahrhundertwerk mit wunderbar experimentellen Beziehungen, eine Feier der*des Anderen und der Liebe, jenseits der engen Grenzen des Ich und seiner Festlegung auf Identität, Gender. Orlando ist ein fluides Geschöpf in unausgesetzter Metamorphose, dessen Verwandlung mit dem Frau-Werden keineswegs ihr Ende findet. In ihrem neuen Körper durchläuft sie mit dem Wechsel der Zeiten, der Kleider und Moden, der Moral und der Denkweisen der Jahrhunderte weitere Transformationen.

»Orlando. Eine Biografie», wie die Autorin ihr Buch nennt, wird mit ausschweifender Furchtlosigkeit und rückhaltloser Bejahung des Lebens geschrieben, gelebt, gefühlt. Überzeugt von der Kraft der Kunst und dem Wunder des Schreibens gräbt sich Virginia Woolf durch die Erfindung einer am Ende vierhundertjährigen Lebensgeschichte. Dabei ist »Orlando. Eine Biografie« nicht zuletzt eine superintelligente, unaggressive Verspottung gesellschaftlicher Regeln und Gesetze, Konventionen und Automatismen. Auch die Literatur wird in ihrer Sprödigkeit und Moralität zur Zielscheibe von Woolfs lustvoller Kritik. Der Roman setzt den Entschluss in die Tat um, sich alles zu erlauben, und unternimmt den groß angelegten und ungeschützten Versuch, Kunst und Leben zu verbinden. Neben dem Gefühl steht immer der Rausch der Reflexion und des Denkens.

Regie führen wird der vielfach ausgezeichnete Regisseur Jossi Wieler, der erstmals nach 25 Jahren wieder am Deutschen SchauSpielHaus inszeniert. 1994 wurde er für seine im MalerSaal entstandene Inszenierung von Elfriede Jelineks »Wolken.Heim.« zum Regisseur des Jahres gewählt. Seine Schauspielarbeiten wurden zu internationalen Festivals eingeladen, in Tokio inszenierte er mit japanischen Theaterensembles. 2002 erhielt er den »Konrad-Wolf-Preis« der Berliner Akademie der Künste, 2005 den »Preis der deutschen Kritik« sowie 2009 den Nestroy-Preis.

Regie: Jossi Wieler
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Anja Rabes
Licht: Annette ter Meulen
Musik: Friederike Bernhardt
Dramaturgie: Ralf Fiedler

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause

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1 Schauspiel

ANTHROPOLIS II: Laios

von Roland Schimmelpfennig

In Theben hebt nach dem Ende des Pentheus und der Machtübernahme durch Labdakos, einem weiteren Enkel von Kadmos, eine Zeit voller Gewaltexzesse an. Schließlich wird Laios, der Sohn des Labdakos, aus dem Exil zurückgeholt und inthronisiert. Doch kommt er nicht allein, der junge Chrysippos aus Pisa begleitet ihn. Ist er der Grund für die Kinderlosigkeit des neuen Königspaares Laios und Iokaste oder ist es doch der Orakelspruch der Seherin Pythia? Schon taucht die nächste Kreatur vor den Toren der Stadt auf: die Sphinx, ein Tierwesen aus Löwe, Frau und Vogel, das die Stadt singend und rätselhaft in den mörderischen Wahnsinn treibt. In einem hochpoetischen und multiperspektivischen Monolog, der die verschiedenen Charaktere und Mythenvarianten über den Vater des Ödipus zu Wort kommen lässt, geht die Inszenierung der Frage nach, was das Paar Laios und Iokaste trotz des religiösen Verbotes dazu bewogen haben könnte, einen Nachkommen zu zeugen. Wie viel Verantwortung tragen die Eltern am Schicksal ihres Kindes Ödipus, das sie gleich nach der Geburt im Gebirge verschwinden lassen wollten? Wie viel Schuld wird von Generation zu Generation weitervererbt und wie viel Freiheit bleibt dem einzelnen, sich daraus wieder zu befreien?

Regie: Karin Beier
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Wicke Naujoks
Licht: Annette ter Meulen
Video: Voxi Bärenklau
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Sybille Meier

Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

ANTHROPOLIS IV: Iokaste

von Roland Schimmelpfennig/ Aischylos/ Euripides

Von den Grenzen der Diplomatie handelt der Konflikt zwischen den Brüdern Eteokles und Polyneikes. Nach der Selbstblendung ihres Vaters Ödipus werden sie mit der Macht beauftragt. Polyneikes beschuldigt seinen Bruder, sich nicht an die Verabredung des jährlichen Regierungswechsels gehalten zu haben und droht, die Stadt Theben mithilfe von Verbündeten in einem Angriffskrieg einzunehmen. Die Mutter Iokaste zwingt die beiden an den Verhandlungstisch: Rede vor Rache. Sie appelliert an die menschliche Autonomie und die Freiheit der Wahl. Was aber, wenn subjektives Gerechtigkeitsempfinden und Recht nicht deckungsgleich sind wie im Falle von Polyneikes, der sich um den Thron geprellt sieht? Diplomatie erfordert die Fähigkeit zum Verzicht. Doch klebt das „Nicht Weichen Wollen“ geradezu symptomatisch an der Familie des Ödipus. Weder er noch sein Vater Laios haben sich den Vortritt gelassen, als sie einander an der Wegkreuzung gegenüberstanden. Eteokles rückt vom Machtanspruch ebenso wenig ab wie Polyneikes. Und die kleine Antigone wird später selbst unter Todesandrohung auf einem ordentlichen Premieren Begräbnis ihres Bruders bestehen.

Inspiriert ist »Iokaste« von der Mythenbearbeitung des Euripides unter dem Titel »Die Phoenissen« und der ungefähr 60 Jahre älteren Tragödie »Sieben gegen Theben« von Aischylos. Der Text »Iokaste« dreht die Schraube weiter ins Hier und Jetzt. Moderne Krisenherde lassen sich nicht durch militärische Interventionen löschen. Seit dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Krieges im Februar 2022 ist dieser Stoff des mörderischen Bruderkonfliktes und des Scheiterns der Diplomatie von erschreckender Aktualität.

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

ANTHROPOLIS III: Ödipus

von Sophokles/Roland Schimmelpfennig

Das bekannteste Rätsel aller Zeiten wird von Ödipus gelöst. Auf die Frage der Sphinx, welches Wesen nur eine Stimme hat und manchmal zwei Beine, bisweilen drei, manchmal vier und umso schwächer ist, je mehr Beine es hat, antwortet Ödipus: „der Mensch“. Das Zeitalter des Anthropozän hat auf mythischer Ebene angefangen. Die Sphinx ist tot. Doch jetzt, da die Rätsel gelöst sind, beginnen die Probleme. Ödipus, dem gerade prophezeit worden ist, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten würde, erhält zum Dank für seinen Triumph die Herrschaft in Theben. Eine beispiellose Entscheidung der Stadt, einem Fremden die Macht zu überlassen. Zunächst scheint seine „vernünftige“ Regentschaft dem Bürgerbegehren recht zu geben. Unter seiner Regierung prosperiert die Stadt. Doch unwissend schlittert er immer tiefer in sein Schicksal hinein. Mit seiner Mutter Iokaste zeugt er vier Kinder: die Söhne Eteokles und Polyneikes und die Töchter Antigone und Ismene. Dann bricht eine Pestepidemie in Theben aus. Das ist die Stunde der Rückkehr der Religion. Apollon, die Priesterin und der Seher Teiresias holen zum Gegen schlag aus. Der Aufklärer Ödipus führt den ersten Indizienprozess der Weltliteratur gegen sich selbst. Doch wehrt er sich in einem letzten Akt der Selbstermächtigung gegen das Vermächtnis einer absoluten Wahrheit. Vergeblich?

Mit »Ödipus« hat Sophokles ein Meisterwerk der Literaturgeschichte geschrieben. Bis heute inspiriert die Tragödie zu zahlreichen Neudeutungen des Macht- und Wahrheitskomplexes, dem eine Gesellschaft unterliegt.

Regie: Karin Beier
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Wicke Naujoks
Licht: Holger Stellwag
Musik: Jörg Gollasch
Sprechtraining Chöre: Alexander Weise
Dramaturgie: Sybille Meier

Dauer: 1 Stunde, 45 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

ANTHROPOLIS V: Antigone

von Sophokles/ Roland Schimmelpfennig

Mit Antigone, dieser unbeugsamen Rebellin gegen männliche Ordnungswut, ist das Ende der Herrscherdynastie der Labdakiden erreicht. Hier schließt sich der Kreis, und nicht zufällig stammen die berühmtesten Zeilen über den Anthropos aus dieser Tragödie des Sophokles: „Gewaltig ist vieles, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch.“

Roland Schimmelpfennig überträgt die »Antigone« in eine zeitgemäße poetische Sprache, die den weiblichen Widerstand gegen den mächtigen Staat Theben und seine Politik äußerst gegenwärtig erscheinen lässt.

Antigones Onkel Kreon, der ewige zweite Mann im Staat, ist nach vielen Jahren des Stellvertreterdaseins endlich an die Macht gekommen. Gerade konnte der Angriffskrieg von Theben abgewendet werden, da droht Kreon schon an seiner ersten Amtshandlung zu scheitern: Er muss ein Urteil fällen über die Nichte Antigone, die ihr ethisches Gebot höher wertet als das Gesetz des Staates. Doch Kreon ist der Überzeugung, dass Moral ein schlechter politischer Ratgeber sei. Er verurteilt Antigone zu einer Strafe, die barbarischer nicht sein könnte: Sie soll bei lebendigem Leib eingemauert werden. Die Humanität wird der Gesetzestreue geopfert. Erneut kollabiert das System der Stadt in einem Akt der Gewalt, die sich durch die Oberfläche ihres schönen Scheines Bahn bricht.

Regie: Karin Beier
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Wicke Naujoks
Licht: Annette ter Meulen
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Sybille Meier, Christian Tschirner
Mitarbeit Kostüme: Theresa Heiß
Körperarbeit: Valentí Rocamora i Torà

Dauer: 1 Stunde, 25 Minuten

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Schauspiel

ANTHROPOLIS I: Prolog / Dionysos

von Euripides / Roland Schimmelpfennig

Prolog:
Die Geschichte der Stadt Theben beginnt mit einem zweifachen Mord. Nachdem Kadmos vergeblich seine von Zeus entführte Schwester Europa auf dem Kontinent gesucht hat, wendet er sich an das Orakel von Delphi. „Vergiss die Schwester“, lautet die Antwort, „treibe eine Kuh vor dir her und dort, wo sie sich niederlässt, gründe eine Stadt.“ Kadmos hetzt die Kuh so lange vor sich her, bis sie tot zusammenbricht in der Nähe einer Quelle, die wiederum von einem Drachen bewacht wird. Den erschlägt Kadmos, bricht ihm die Zähne aus und sät sie in die Erde. Sofort wachsen aus den Zähnen bewaffnete Drachenmänner, Krieger, die sich gegenseitig niedermetzeln – nur fünf überleben das Massaker. Mit ihnen gründet Kadmos die Stadt Kadmeia, später das siebentorige Theben genannt. Von Anfang an ist die Gewalt der Zivilisationsgeschichte eingeschrieben. Schon die ersten zivilisatorischen Maßnahmen zur Gründung dieser Urstadt der westlichen Welt zeigen sich als Tötungsdelikte. Die Vernichtung des Tieres und des Tierwesens ist quasi die Voraussetzung, um überhaupt als Gesellschaft im urbanen Raum existieren zu können. Wie aber lassen sich die Gewaltakte stoppen, die die Grundfeste der Menschenstadt von Generation zu Generation aufs Neue erschüttern?

Dionysos:
Die Geschichte von der Geburt des Dionysos aus dem Schenkel des Zeus klingt mehr als bizarr. Kein Wunder, dass sie niemand glauben will in Theben, nachdem Dionysos’ irdische Mutter Semele, eine Tochter des Kadmos, so schändlich verbrennen musste. Angeblich hat der Erzeuger Zeus den Fötus aus dem Feuer geholt und in seinem Bein ausgetragen. Inzwischen ist Theben zu einer reichen Stadt angewachsen, und Kadmos hat den Thron an seinen Enkel Pentheus abgetreten. Da taucht Dionysos auf und behauptet, ihm stünde religiöser Kultstatus zu. Doch der auf Maß und Regeln getrimmte Pentheus verweigert ihm den Glauben. Dionysos stürzt daraufhin das Ordnungssystem des Patriarchen in eine tiefe politische und moralische Krise. Er schickt die Frauen auf einen Trip und verbreitet unter ihnen Wahnsinn und Raserei. Der Rausch endet grausam und blutig. Dionysos triumphiert über die Ungläubigen der Stadt. Er scheint eine kollektive Lust am gewaltsamen Untergang freigelegt zu haben, die dem Konstrukt „Stadt“ in seinen verdrängten Positionen innewohnt.

Mit den »Bakchen« hat Euripides seine letzte und radikalste Tragödie geschrieben. Die Übertragung und Bearbeitung der »Bakchen« unter dem neuen Titel »Dionysos« verschärft die Konflikte zwischen Untergangsphantasien und Vernunftdenken, Ordnungswahn und Lust am Chaos zu heutigen Fragestellungen einer Stadtgesellschaft. Wieviel Spannungszustände sind wir noch bereit auszuhalten?

Regie: Karin Beier
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Wicke Naujoks
Licht: Annette ter Meulen
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Sybille Meier

Dauer: 2 Stunden 50 Minuten, inkl. einer Pause

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Schauspiel

Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten

von Christoph Marthaler mit Texten von Friedrich Hölderlin

„Wie war denn ich? War ich nicht wie ein zerrissen Saitenspiel? Ein wenig tönt ich noch, aber es waren Todestöne.“
Hölderlin, »Hyperion«

Es gibt neben dem Dichtergenie und neben dem Wahnsinnigen auch einen fast alltäglichen Hölderlin, der mit den Widersprüchen des Daseins kämpft, der sein Leben nicht im Griff hat und in seiner Verzweiflung Dinge zu Papier bringt, die uns in ihrer schlichten wenn auch manchmal paradoxen Einfachheit auf eine fast selbstverständliche Weise ansprechen und fesseln. Kein hoher Ton, keine Huldigung an das alte Griechenland und seine Götter und Held*innen sondern profanes Leiden, Ratlosigkeit und Überanstrengung sind dann seine Themen, trübe, voller Selbstzweifel und angewidert von den dumpfen Verhältnissen und stumpfen Mitmenschen und der Einsicht, selber auch nicht unbedingt besser zu sein. Auf der B-Seites des Lebens macht Hölderlin z. B. die Erfahrung, dass eine junge Dame (nicht Diotima), es ablehnt ihn zu heiraten. Er notiert dies sofort auf dem gleichen Blatt, auf dem er gerade noch eine seiner bedeutendsten Hymnen (»Mnemosyne«) entworfen hat:, „Und ledig soll ich bleiben“, und schickt gleich eine kleine Drohung an die Unwillige hinterher: „Leicht fanget aber sich, in der Kette, die es abgerissen, das Kälblein.“

Oder gegen die ihm nicht unbekannte Euphorie des Dichters, die Gefahr abzuheben und den Boden unter den Füßen zu verlieren, schreibt er: „Man kann auch in die Höhe fallen, so wie in die Tiefe“, nämlich dann, wenn man die Nüchternheit verliert, die für jeden unterschiedlich die „Grenze deiner Begeisterung“ markiert. Hölderlins Werk, zumindest ab 1794, beschäftigt sich intensiv auch mit profanen Lebensfragen, die ihn ganz persönlich quälten. Er war nicht nur der heroisch leidende Dichter, er war auch einfach eine arme Kreatur, die litt, „weil sich ein Traum sich mir nicht erfüllte“ und die sich fragte, „was ist mir fehlgeschlagen?“. Hölderlin wusste, dass seine Oden, seine Hymnen und Gesänge zwar sehr ernst waren, aber so ernst auch wieder nicht. Das Leben selbst jedenfalls war noch viel ernster als etwa sein perfekt gelungenes Gedicht wie »Hälfte des Lebens«. Und seine dichterische Hochbegabung war immer nur ein schwacher Trost, zumal wenn Goethe und Schiller mit allerlei unverschämten Invektiven in konzertierter Aktion versuchten ihn kleinzuhalten, womit sie ihn zwar als ernsthaften Konkurrenten anerkannten, aber auch an seinem gesellschaftlichen und ökonomischen Ruin beteiligt waren, den er allerdings hauptsächlich seiner „geizigen“ Mutter zu verdanken hatte, die ihn von dem ihm eigentlich zustehenden Erbe fernhielt. Selbst als er nach seinem Rausschmiss aus dem Bankhaus Gontard in Frankfurt und der damit verbundenen Trennung von seiner Geliebten zu seinem besten Freund Isaac von Sinclair nach Bad Homburg zog, musste er feststellen, dass er dessen vermeintlich reine und exklusive Zuneigung, die starke homoerotische Züge trug, mit einem ganzen Haufen „auffallender Gestalten“ zu teilen hatte, die Sinclair (Alabanda im »Hyperion«) ihm lange verschwiegen hatte. „Mir war wie eine Braut, wenn sie erfährt, dass ihr Geliebter insgeheim mit einer Dirne lebe.“

Die B-Seite des Lebens bringt immer wieder ungeahnte Höhepunkte hervor. Das sieht man in der Musikindustrie, wo die eigentlichen Meisterwerke oft auf der B-Seite zu finden sind, und genauso schon bei Hölderlin, der schrieb, zur „wahrsten Wahrheit“ gehöre auch der Irrtum. Und der auch dem „Inferioren“ und sogar dem „Barbarischen“ einen legitimen Platz zugestand, zumindest in der Sprache der Poesie, die ihm gleichzeitig zuwider war. „Ich kann meine Sprache nicht mehr ertragen, ich wollte lieber ein Ton sein, im Himmelsgesang.“

Im profanen Scheitern, in den kleinen und großen Fehlschlägen, aber auch in Hirn zermarternden Denkanstrengungen, denen kein Paradox fremd ist, bewegen sich »Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten« in Christoph Marthalers Hölderlinbetrachtung, tapfer, ergeben und verschwindend, übergehend in Töne, in Musik. Sie wirken wie Illustrationen der Klagen des Dichters, aber sie sind keine Illustrationen, sie sind einfach. „Wir wohnen hier unten einsam und arm, wie der Diamant im Schacht.“

Um diese so gegenwärtige Erfahrung der sozialen Distanz und der Abkapselung selbst zu machen, brauchen wir keine Corona bedingte Isolation, wir brauchen nur ein bisschen Hölderlin. Oder anders ausgedrückt: Die Coronaregeln formulieren ein Extrem, das für Hölderlin ein ganz unvermeidlicher Teil moderner Tragik ist. „Das ist das Tragische bei uns, dass wir ganz still in irgendeinen Behälter eingepackt, vom Reich der Lebendigen hinweggehen, nicht, dass wir in Flammen verzehrt, die Flammen büßen, die wir nicht zu bändigen vermochten.“

Ich glaube, Christoph Marthalers freundlicher Sarkasmus und Friedrich Hölderlins „in die Höhe Fallen“ passen ganz gut zusammen, und auch ein „zerrissen Saitenspiel“ ist zu schönen Tönen fähig.

(Carl Hegemann, Hamburg, 29/11/2020)

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Annette ter Meulen
Idee und künstlerische Beratung: Carl Hegemann
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Viola da Gamba: Martin Zeller
Klavier und Clavichord: Bendix Dethleffsen

Koproduktion mit dem Schauspielhaus Zürich und der Akademie der Künste Berlin / gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds

Dauer: 1 Stunde 25 Minuten, Keine Pause

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1 Schauspiel

Richard the Kid & the King

nach William Shakespeare

mit Texten von Tom Lanoye
Fassung von Karin Henkel, Sybille Meier und Andrea Schwieter
Mit Texten aus »Eddy the King« aus »Schlachten!« von Tom Lanoye und Luk Perceval
Deutsch von Rainer Kersten
Koproduktion mit den Salzburger Festspielen 2021

Er war eine schwere Geburt. Die Ankunft Richards III. auf der Welt ist überschattet von merkwürdigen Vorzeichen. Wäre es vielleicht besser gewesen, dieses Kind wäre nie geboren? Richards Mutter, die Herzogin von York, ahnt Böses: Von Anfang an bleibt ihr der Sohn dunkel und fremd. Kaum kann sie Liebe zu ihm entwickeln, wie er auch sonst überall auf Ablehnung stößt. Später, im jugendlichen Alter, erweist er sich in den Schlachten um die englische Krone als äußerst kaltblütig, brutal – und erfolgreich. Sind Machtgier, Skrupellosigkeit und Zerstörungswut Ergebnis einer zerstörten Kindheit? Sind die Ursachen in sozialen und familiären Kontexten auszumachen oder gibt es schlicht keine erschöpfende Erklärung für die Existenz egomaner und boshafter Machtmenschen? Mit Richard III. betritt einer der größten Antihelden der Theaterliteratur die Bühne: schamlos, gierig, gewalttätig, schlechthin die Inkarnation des Bösen. Zugleich ist er eine Hauptattraktion des Shakespeare’schen Kosmos: hellsichtig, witzig, heuchlerisch, verführerisch. Er weiß um die Manipulierbarkeit der Menschen, ist ein großer Lügner, ein Virtuose der Instrumentalisierung anderer und der genussvollen Selbstinszenierung. Ein genialer Coup, der diese Rolle bis heute zu einer außerordentlichen schauspielerischen Aufgabe macht.
Karin Henkel nimmt die Königsdramen »Heinrich VI.« und »Richard III.« als Ausgangspunkt ihrer Inszenierung. Unter Verwendung von Texten aus »Schlachten!« von Tom Lanoye und Luc Perceval, übersetzt von Rainer Kersten, richtet sie in »Richard the Kid« den Fokus auf die Kindheit und die Familiengeschichte Richards, die Zeit vor seiner Machtergreifung. Seit Jahren liefern sich die Häuser York und Lancaster erbitterte und blutige Schlachten um die englische Königsherrschaft in den sogenannten „Rosenkriegen“.
In »Richard the King« befasst sich Karin Henkel mit dem politischen Umfeld des berühmt-berüchtigten Machthabers. Warum spielen alle mit, obwohl sie um die Lügen und das falsche Spiel Richards wissen? Wie gelingt Richard der zynische Spagat, die Menschen einerseits aufs Tiefste zu verabscheuen, sie andererseits aber doch für seine Zwecke zu gewinnen?

Shakespeare zeigt auf eindrückliche Weise das kollektive Versagen eines ganzen Landes und die Deformation einer verunsicherten Gesellschaft, deren zunehmende Verrohung den Aufstieg des Tyrannen erst ermöglicht. Beunruhigend bleibt, was hinter unserem Vergnügen steckt, Richard in seinen dunkelsten Machenschaften zu folgen.

Für ihre Rolle des Richard in »Richard the Kid & the King« erhielt Lina Beckmann den NESTROY-Theaterpreis 2021 in der Kategorie »Beste Schauspielerin« und wurde außerdem dafür mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring geehrt. Bei der jährlichen Umfrage der Fachzeitschrift Theater heute wurde sie für ihre Hauptrolle in »Richard the Kid & the King« für ihre herausragende Leistung zur besten Schauspielerin des Jahres gekürt. Sie erhielt ebenfalls den Deutschen Theaterpreises DER FAUST in der Kategorie Darsteller:in Schauspiel für ihre Rolle.

REGIE: Karin Henkel
BÜHNE: Katrin Brack
KOSTÜME: Klaus Bruns
LICHT: Rainer Casper
MUSIK: Arvild J. Baud
DRAMATURGIE: Sybille Meier, Andrea Schwieter

Dauer: 3 Stunden 50 Minuten

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1 Schauspiel

Die Nibelungen - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Barbara Bürk und Clemens Sienknecht

Nach »Effi Briest« und »Anna Karenina« präsentiert Rock-Antenne Walhalla jetzt den brandneuen Hit der Walküren: Das Nibelungenlied!

„In Worms bi dem Rhine wohnten dri Könige mit ihr Kraft. In Dienste von ihr Landen vil stolze Riterschaft. Mit stoltzlichen Ehren all ihres Lebens Zeit, bis jämmerlich sie starben von zweier edeln Frovwen Streit.“

Erleben Sie die berühmte Familiensaga um Kriemhild, Brunhild, Gunter, Gernot, Giselher, Ute, Hagen, Etzel, den starken Siegfried und den rattenscharfen Spielmann Volker von Alzey. Tauchen Sie ein in ein Jahrtausendwerk, an dem sich die größten Geister scheiden: „Ein elendes Zeug, nicht einen Schuss Pulver werth.“ (Friedrich der Große) / „Ein köstliches Werk!“ (Goethe) / „Abstrus-peinliche Betrugskomödie dank der törichten Schwatzhaftigkeit ihrer Protagonisten.“ (Marcel Reich-Ranicki)

Extreme Emotionen, große Heldentaten und Ströme von Blut sind garantiert, wenn Barbara Bürk und Clemens Sienknecht mit der nächsten Folge ihrer erfolgreichen Radioshow auf Sendung gehen.

Regie: Clemens Sienknecht, Barbara Bürk
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Licht: Björn Salzer
Video: Peter Stein, Antje Haubenreisser
Dramaturgie: Sybille Meier

2 Stunden, Keine Pause

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Konzert

Martha Argerich

»Shall I compare thee to a summer's day?«

Frédéric Chopin: Barcarolle Fis-Dur op. 60
Frédéric Chopin: Préludes (Details werden noch bekannt gegeben)
Martha Argerich, Klavier

Franz Liszt: Valse oubliée Nr.1
Franz Liszt: Mephisto-Walzer Nr. 1
Mauricio Vallina, Klavier

Haggai Cohen-Milo: Jazz
Haggai Cohen-Milo, Kontrabass u.a.

William Shakespeare:
Pauline Rénevier & Alexander Scheer, Schauspiel

„Soll ich dich mit einem Sommertag vergleichen?“ Im Deutschen SchauSpielHaus bahnt das Martha Argerich Festival 2024 eine Ménage à trois zwischen Lyrik, Kammermusik und Jazz an. Der Titel, der Sonett Nr. 18 entnommen ist, verrät es: Im Mittelpunkt dieses theatralen Konzertabends mit Martha Argerich und Gästen stehen Sonette von William Shakespeare – und andere Reflexionen über die Liebe. Es wird eine gleichermaßen wilde wie zarte Collage über das bewegendste Thema der Welt: Shakespeare trifft auf Chopin und Liszt, die strengste literarische Form des 16. Jahrhunderts auf zeitgenössischen Free Jazz. Für diese Entdeckungsreise hat die »Jahrhundertpianistin« die Schauspieler Alexander Scheer und Pauline Rénevier, den Pianisten Mauricio Vallina sowie den Bass-Virtuosen und Komponisten Haggai Cohen-Milo eingeladen. Ein musikalisch-literarisches Gipfeltreffen im größten Sprechtheater Deutschlands.

Das seit 2018 von den Symphonikern Hamburg veranstaltete Martha Argerich Festival präsentiert sich dieses Jahr in leicht veränderter Form. In den vergangenen Jahren war die Laeiszhalle die künstlerische Heimat des immer wieder zum Staunen einladenden Festivals, doch im Sommer 2024 bricht das Orchester in die Stadt auf und bespielt auch andere Orte. Zusammen mit Martha Argerich greifen die Symphoniker Hamburg diesen Impuls gern inhaltlich auf – alle künstlerischen Begegnungen atmen in der besonderen Festivalausgabe 2024 den Geist einer Entdeckungsreise.

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Konzert

Charly Hübner und Ensemble Resonanz: mercy seat - winterreise

Eine Séance zwischen Franz Schubert und Nick Cave

An eye for an eye
A tooth for a tooth
And anyway I told the truth
And I’m not afraid to die

Ein Mann auf dem Gnadenstuhl bekennt sich schuldig – schließlich. Zunächst aber wandert er, Franz Schubert und Nick Cave beschwörend, in die Einsamkeit, auf der Suche nach Freiheit. Aber was, wenn die Schuld schwerer wiegt? Und was hat er überhaupt getan? Der Geist Franz Schuberts trifft auf die Songs des australischen Rockpoeten Nick Cave.

Ausgangspunkt für den Tauchgang in menschliche Abgründe ist Caves gleichnamiges Stück, das den Gedankenstrom eines Mannes kurz vor seiner Hinrichtung verarbeitet. Gepaart mit dem lyrischen Ich Wilhelm Müllers, dessen Gedichte Schubert in der »Winterreise« zu einem Seelenkosmos vertont, formt Charly Hübner eine neue Figur. Etwas Schlimmes hat sie getan. Und bekennt sich schließlich schuldig.

Schauspieler Charly Hübner findet klanglich einen eigenen Zugang zu Schuberts Musik: Im Ausdruck ganz direkt, fast ungeschliffen, vermittelt er Eindringlichkeit und Verzweiflung. Dazu sucht das Ensemble Resonanz nach neuen Wegen, die Musik von Schubert und Cave ineinanderfließen zu lassen. Tobias Schwencke liefert die passenden Kompositionen, die das Ensemble und eine hochkarätige Jazzband um den finnischen Gitarristen Kalle Kalima mit Carlos Bica am Kontrabass und Max Andrzejewski am Schlagzeug umsetzen.

Mit: Charly Hübner (Stimme), Carlos Bica (Kontrabass), Max Andrzejewski (Schlagzeug), Ensemble Resonanz, Klangregie: Sebastian Schottke / Bearbeitung: Tobias Schwencke

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Gespräch

Zukunft der Demokratie

Lukas Bärfuss im Gespräch mit: #2 Herta Müller



Wer den Glauben an die Demokratie verloren hat, sollte jenen zuhören, die unter einer Diktatur leiden. Herta Müller verbrachte die ersten vierunddreißig Jahre ihres Lebens im Rumänien Ceaușescus. Nach Verfolgung und Schikanierung konnte sie 1987 nach Deutschland ausreisen. Mit der Kraft ihrer einzigartigen Sprache seziert sie die Mechanik der Unterdrückung, die Verfolgung, Verelendung, Verkrüppelung. „Die Diktatur leistet sich das Rudimentärste an Banalität. Sie kommt entwürdigend einfach durch sich selber aus – ohne Philosophie oder Psychologie.“ Diese Vergangenheit ist nicht vorbei: Diktaturen haben ein langes Nachleben. Angst und Konformismus wirken fort. Ihr Gift verdirbt die Generationen.

Am Beispiel ihres eigenen Lebens zeigt uns die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, warum für Demokratie und Freiheit kein Preis zu hoch sein kann. Die Lektionen der Dichterin sind unentbehrlich: Entlang der Karpaten und des Dnister entscheidet sich in unseren Tagen die Zukunft Europas.

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Lesung

Poetry Slam: Finale

Neun Monate lang kämpften Poet*innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum um einen Sieg beim Zeise Poetry Slam von Kampf der Künste, bildeten Gedankenpaläste und rissen sie mit Worthülsen wieder ein, warfen mit Pointen um sich und reimten als gäbe es kein Morgen. All das nur, um mit dem Sieg einen Startplatz beim großen Jahresfinale im Schauspielhaus zu ergattern! Denn neben den besten Texten, den schönsten Reimen, den knalligsten Witzen steht nicht nur das gesprochene Wort im Mittelpunkt – die Sieger*in des Poetry Slam Finales fährt nämlich mit Pokalen und dem Titel des Kampf der Künste Jahreschampions 2024 nachhause. Also nicht nur Jubel, Trubel, Heiterkeit – hier geht es um Ruhm und Ehre.

Und wer könnte dieses literarische Slam-Fest besser moderieren als Zeise-Stammmoderatorin Anna Bartling? Sie präsentiert euch die damaligen Teilnehmer*innen und heutigen Sieger*innen. Natürlich mit ihrem bekannten Charme und Witz und einem prüfenden Blick, wer in diesem Jahr das Rennen machen könnte.

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Schauspiel

Im Namen der Freiheit

Hoffnung als treibende Kraft / Eine Theaterversammlung


Der isländische Autor und Wissenschaftler Andri Snær Magnason beschreibt, wie schwierig es ist, sich die Folgen des Klimawandels vor Augen zu führen: „Ich spüre das Rauschen in mir. Wie all diese Begriffe ein schwarzes Loch bilden, das ich nicht begreifen kann, weil die schiere Masse jegliche Bedeutung verschluckt.“ Versauerung der Meere, Rekordhitze, Dürren, Gletscherschmelze, Massenaussterben – „es ist, als würden wir den Lärm eines Vulkanausbruchs aufzeichnen.“

Um zu verstehen, was auf die Menschheit und das Leben auf dem Planeten Erde zukommt, müssen wir neue Worte, eine neue Sprache finden.

Für die Bühne des Schauspielhauses entwirft Andri Snær Magnason zusammen mit dem Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson eine Zukunftserzählung der Hoffnung, ausgehend von alten, zeit- und weltumspannenden Mythen. Ihr Kraftkern ist das Erzählen von Geschichten. Sie entfaltet ein neues Verständnis von Zeit als Ausdruck menschlicher Freiheit und verbindet die Sprache der Wissenschaft mit der Sprache des Herzens.
Dem performativen Akt antworten künstlerische Impulse des Schauspielhaus-Ensembles. Wissenschaft und Kunst im Dialog bereiten sodann das Feld für das gemeinsame Nachdenken und Diskutieren mit allen Besucherinnen und Besuchern in vielfältigen Gesprächsformaten.

Im Zuhören und kommunikativen Miteinander wird das Theater zum gemeinsamen Denk- und Gesprächsraum, in dem jetzt und hier Freiheit geübt und „performt“ wird. Als Ort des öffentlichen Aushandelns, ganz in der Tradition des europäischen Theaters. Wenn es gelingt, das Narrativ über die globale Erwärmung in ein Narrativ über die Möglichkeiten des Handelns zu verwandeln, kann die Neugestaltung des Systems, in dem wir leben, zum Anlass werden, die Kräfte der Phantasie, der Kreativität und damit der Hoffnung freizusetzen.

Freiheit steht von vielen Seiten unter Druck: Durch Populismen und aggressive Nationalismen, die ihre Wirkung durch sozial-digitale Technologien potenzieren. Durch Klimawandel, Kriege, ökonomische Krisen. Dieser Abend ist Auftakt des Projekts „Im Namen der Freiheit“ der Universität Hamburg. Mit seiner Reihe von öffentlichen Theaterversammlungen reflektiert und stiftet es Debatten darum, was Freiheit ist. Das Projekt ist initiiert und wird durchgeführt von einem interdisziplinären Team des Arbeitsfeldes Public History geleitet von Prof. Dr. Thorsten Logge und den freien Theatermachern Thorleifur Örn Arnarsson und Uwe Gössel. Es wird im Wissenschaftsjahr 2024 – »Freiheit« durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

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Schauspiel

Der Morgenstern

Theateradaption des Romans »Morgenstjernen« von Karl Ove Knausgård / in der Bearbeitung von Armin Kerber

Es ist unerträglich heiß in Bergen, und die Nächte sind fast so hell wie der Tag. Plötzlich taucht ein neuer Stern am Himmel auf. Strahlend wie die Sonne, weiß wie der Mond, unterbricht er das Leben der Menschen. Außergewöhnliche Ereignisse beginnen sich zu häufen. In einem OP erwacht ein Toter zum Leben, ein satanistischer Ritual-Mord erschüttert die Stadt, Verstorbene werden gesichtet, der dunkle Wald entwickelt eine seltsame Anziehungskraft und über allem scheint verheißungsvoll der neue helle Morgenstern. Nur was bedeutet er, dieser unbekannte Himmelskörper?

Aus Momenten des alltäglichen Lebens und ihren rätselhaften Unterbrechungen entwickelt Karl Ove Knausgård ein Panorama der westlichen Zivilisation und ihrer Krise. Unsicherheit und Angst greifen um sich. Hat Gott etwas damit zu tun, wenn die Grenze zwischen Leben und Tod zu verschwimmt? Oder ist der Morgenstern doch ein Zeichen für den Aufstieg des Teufels? Der Einbruch des Unerklärlichen macht die dunklen Seiten hinter den gesicherten Existenzen der Einwohner*innen Bergens sichtbar: Sucht, Gewalt, Einsamkeit und Abhängigkeit. Und während sie noch über den Glauben, das Leben und den Tod philosophieren, bahnt sich ein Ende an.

Im einzigartigen Knausgård-Sound, der den norwegischen Schriftsteller und seine autobiografischen Bücher weltberühmt werden ließ, verbindet der diesmal rein fiktionale Roman „Der Morgenstern“ auf brillante Weise Essay und detaillierte Alltagsbeschreibung, Horror und grotesken Humor. Viktor Bodo inszeniert die Bühnenfassung von Armin Kerber als multiperspektivisches Ensemblestück der Gleichzeitigkeit und öffnet die sichergeglaubten Wände der Stadt für das Ungewisse.

Regie: Viktor Bodo
Bühne: Jane Zandonaí
Licht: Rebekka Dahnke
Kostüme: Krisztina Remete
Musik: Klaus von Heydenaber
Video: Bors Ujvari
Dramaturgie: Ludwig Haugk , Anna Veress
Musik: Klaus von Heydenaber

Dauer: 3 Stunden - Eine Pause

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Online

Virtueller Rundgang

Besuchen Sie das Schauspielhaus auf einem 360°-Rundgang im Internet.

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Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Neue SchauSpielHaus GmbH

Das Schauspielhaus ist die Hauptspielstätte. Der Zuschauerraum des von dem berühmten Architektenpaar Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J. 1899/1900 erbauten Theaters ist in Rot und Gold gehalten und gilt mit seinen neobarocken Elementen, dem Figurenschmuck und dem roten Gestühl als einer der schönsten Theaterräume Deutschlands.
Neben der großen Bühne finden auch Veranstaltungen im MarmorSaal (1. Rang) und im RangFoyer (2. Rang) sowie im Restaurant Theaterkeller statt.

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Aufführungen / Oper Opernhaus Zürich Zürich, Sechseläutenplatz 1
Aufführungen / Oper Wiener Staatsoper Wien, Opernring 2
Aufführungen / Oper Staatsoper Hannover Hannover, Opernplatz 1
Aufführungen / Aufführung HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Karl-Liebknecht-Str. 56
Aufführungen / Theater Theater Münster Münster, Neubrückenstraße 63
Aufführungen / Oper Volksoper Wien Wien, Währingerstraße 78
Aufführungen / Oper Staatstheater Kassel Kassel, Friedrichsplatz 15
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Tumblingerstraße 29
Aufführungen / Theater Theater Bonn Bonn, Am Boeselagerhof 1
Aufführungen / Theater Vorarlberger Landestheater Bregenz, Seestr. 2
Aufführungen / Theater Theater im Pfalzbau Ludwigshafen Ludwigshafen, Berliner Str. 30
Aufführungen / Theater Theater Konstanz Konstanz, Konzilstraße 11
Aufführungen / Theater Deutsches Schauspielhaus Hamburg Hamburg, Kirchenallee 39
Aufführungen / Oper Staatsoper Stuttgart Stuttgart, Oberer Schloßgarten 3
Aufführungen / Oper Semperoper Dresden Dresden, Theaterplatz 2
Aufführungen / Oper Komische Oper Berlin
Aufführungen / Kabarett Die Wühlmäuse Berlin
Aufführungen / Oper Opernhaus Chemnitz
Aufführungen / Konzert Hochschule für Musik und Theater Rostock
Ereignisse / Festspiele Salzburger Festspiele 19.7. bis 31.8.2024
Literatur / Kulturveranstaltung Literaturhaus Salzburg Salzburg, Strubergasse 23
Ereignisse / Festspiele Wiener Festwochen 17.5. bis 23.6.2024
Ereignisse / Festival Lucerne Festival im KKL Luzern
Konzerte / Konzert Philharmonie Luxembourg Luxembourg, 1, Place de l'Europe
Ausstellungen / Museum Mudam Luxembourg Luxembourg, 3, Park Dräi Eechelen
Ereignisse / Festival Gstaad Menuhin Festival 12.7. bis 31.8.2024
Ereignisse / Festival Schwetzinger SWR Festspiele 26.4. bis 25.5.2024
Ereignisse / Festival Schumannfest Düsseldorf 24.5. bis 23.6.2024
Ereignisse / Festspiele Tiroler Festspiele Erl 4. bis 28.7.2024
Ereignisse / Festspiele Bregenzer Festspiele 17.7. bis 18.8.2024
Ereignisse / Festspiele Händel-Festspiele Halle 24.5. bis 9.6.2024
Ereignisse / Festival Mülheimer Theatertage 4. bis 25.5.2024
Ereignisse / Festival Young Euro Classic Berlin 9. bis 25.8.2024
Ereignisse / Festival ImpulsTanz Wien 11.7. bis 11.8.2024
Ereignisse / Theater Shakespeare Company Berlin Sommertheater am Insulaner
Konzerte / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 89
Ereignisse / Festival Festival Herbstgold Eisenstadt 11. bis 22.9.2024
Ereignisse / Tanz Dresden Frankfurt Dance Company Dresden / Frankfurt
Ereignisse / Festival Internationales Musikfest Hamburg 26.4. bis 16.6.2024
Ereignisse / Tanz Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Opernhaus Wuppertal
Ereignisse / Konzert Styriarte Graz 21.6. bis 21.7.2024
Aufführungen / Kulturveranstaltung Dampfzentrale Bern

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